Die Kelten in der Schweiz

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In dem Gebiet, das wir heute als Schweiz kennen, lebte bereits 450 v. Chr. ein hochgebildetes Volk: Die Kelten. Sie besiedelten das Gebiet der britischen Inseln, Frankreich, Nordspanien über Zentraleuropa bis hin nach Westungarn, Slowenien und Nordkroatien und gelten als erste Hochkultur in Europa. Da sie aus kultistischen Gründen nur der mündlichen IMG_8054.jpgÜberlieferung vertrauten, sind nur schriftliche Dokumente ihrer Feinde, den Griechen und Römer, vorhanden. So stützt sich die Forschung hauptsächlich auf Funde, deren beachtliche Anzahl in der Schweiz auf die  Wichtigkeit des Gebiets schliessen lässt. Von der Antike bis weit in die Neuzeit verlief die besten Transportrouten entlang der natürlichen Wasserwege, und so waren Uferzonen prädestinierte Siedlungsorte. Daher sind heutige Funde von Kelten in der Schweiz oft entlang Flüssen oder Seen lokalisiert.

Im 1. Jh. n. Chr. wurden die im Schweizer Gebiet herrschenden keltischen Stämme von Caesars Armee besiegt, doch um 600 n. Chr. kamen die ersten irischen Glaubensboten zurück in die Schweiz. Tatsächlich blieben die Kelten bis ins 16. Jahrhundert in Irland, während sie an allen anderen Orten verschwunden sind und nicht selten im Schatten der Griechen und Römer stehen. Dennoch gehören sie zum kulturellen Ursprung vieler europäischen Ländern, so auch der Schweiz. Als keltische Länder kennen wir heute Irland, Schottland, Wales, die Isle of Man und die Bretagne sowie Galizien (Nordspanien).

anywhereDie keltische Kultur war naturalistisch geprägt und hielt sich an einem Jahreskreis fest, der sich an den Zyklen von Sonne und Mond orientierte. Acht Festtage strukturieren das Jahr, welche noch heute Bestandteil unseres Jahreskalenders sind. Weihnachten zum Beispiel fällt auf den keltischen Festtag der Wintersonnenwende. Ein weiteres Beispiel ist unsere Walpurgisnacht am 1. Mai, welche bei den Kelten als Beltane (Sommerbeginn) gefeiert wurde. Das Pendant zur Wintersonnenwende ist die Sommersonnenwende am 21. Juni, die im christlichen Kalender als Johannisfeier übernommen wurde. Auch das nunmehr amerikanisierte Halloween Ende Oktober hat seine Ursprünge im keltischen Neujahr Samhain und markiert im christlichen Kalender das Fest der Allerheiligen.

Auch in Musik und Kultur hinterliessen die Kelten ihre Spuren. Das Volk setzte sich aus verschiedenen Stämmen zusammen, wurde aber vereint durch eine gemeinsame Sprache. Wie diese genau geklungen hat, ist unklar, doch das walisische Kymrisch, das Gälisch in Irland und Schottland sowie das Bretonisch in Frankreich geben davon ungefähre Vorstellungen. Gemäss einigen Forschenden hat auch das Schweizer Rätoromanisch keltische Wurzeln. Was die Musik angeht, so gibt es Theorien, dass die Ursprünge des alpenländischen Jodelns in der keltischen Kultur liegen. In den keltischen Ländern hat sich die Verweigerung der Schriftlichkeit bis heute gehalten: Alle Musik wird nach Gehör und nicht nach Notationen gespielt. Aufgrund der grossen Bedeutung der Mündlichkeit, sind die Kelten auch als meisterhafte Geschichtenerzähler bekannt.